Die Ermittlung der geschuldeten Einkommensteuer

Persönlich einkommensteuerpflichtig sind nur natürliche Personen (§ 1 Abs. 1 EStG). Verfügen sie über Wohnsitz (§ 8 AO) oder gewöhnlichen Aufenthalt (§ 9 AO) in Deutschland, sind sie unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Das bedeutet, daß sie ihre weltweit erzielten Einkünfte in Deutschland zu versteuern haben. Soweit sie für aus anderen Ländern stammende Einkünfte auch in diesen Ländern Einkommensteuer zahlen müssen, wird diese (ausländische) Einkommensteuer nach § 34 c EStG auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet.

Wer in Deutschland weder Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt hat, ist beschränkt einkommensteuerpflichtig. Das bedeutet, daß er lediglich die in Deutschland erzielten Einkünfte der deutschen Einkommensteuer unterwerfen muß.

Die Ermittlung des zu versteuernden Einkommens, das Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer ist (zu zahlende Einkommensteuer ist aus den Tabellen zum Einkommensteuergesetz abzulesen; entweder Grundtabelle für Alleinstehende oder Splittingtabelle für Verheiratete) richtet sich nach folgendem Schema:
      
1) Summe der Einkünfte ist das Ergebnis aus der Addition der Einkünfte der Einkunftsarten des § 2 Abs. 1 Nr. 1 -7 EStG

a) Gewinneinkünfte, Nr. 1 - 3: Gewinn ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Betriebsvermögen am Schluß des Wirtschaftsjahres und dem Betriebsvermögen am Schluß des vorangegangenen Wirtschaftsjahre (§ 4 Abs. 1 EStG); sog. Betriebsvermögensvergleich. Nicht buchführungspflichtige Steuerpflichtige können stattdessen auch den Unterschied zwischen Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben ansetzen (§ 4 Abs. 3 EStG). Buchführungspflichtige Gewerbetreibende, also Kaufleute (§ 238 HGB) oder Gewerbetreibende, die die Umsatz- bzw. Gewinngrenzen der §§ 140, 141 AO überschreiten, müssen den Gewinn gemäß § 5 EStG unter Berücksichtigung der handelsrechtlichen Grundsätze ermitteln. Zu beachten ist, daß die in § 4 Abs. 5 EStG aufgelisteten Betriebsausgaben nicht gewinnmindernd berücksichtigt werden dürfen; soweit sie tatsächlich angefallen sind, müssen sie dem ermittelten Gewinn (fiktiv) wieder hinzugerechnet werden.  

b) Überschußeinkünfte, Nr. 4 -7: Maßgeblich ist der Überschuß der Einnahmen (also alles, was dem Steuerpflichtigen an Geld oder Geldeswert zufließt; § 8 EStG) über die Werbungskosten (also alles, was der Steuerpflichtige zur Erwerbung, Erhaltung und Sicherung der Einnahmen aufwenden muß; vgl. §§ 9, 9 a EStG). Soweit nicht höhere Werbungskosten nachgewiesen werden können, gelten die Pauschbeträge gemäß § 9 a ESG. Hinweis: Bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit wird die Einkommensteuer durch direkten Abzug vom Bruttogehalt erhoben (Lohnsteuer; die Lohnsteuer ist damit keine eigene Steuerart sondern nur eine besondere Art und Weise der Erhebung der Einkommensteuer, die auf Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit anfällt). Der Arbeitgeber berechnet, wie hoch das Einkommen des Steuerpflichtigen aus nichtselbständiger Arbeit im Laufe des Kalenderjahres sein wird, ermittelt die Höhe der darauf entfallenden Einkommensteuer und führt in jedem Monat des Kalenderjahres 1/12 des ermittelten Einkommensteuerbetrages direkt an das Finanzamt ab. Dafür werden die Steuerpflichtigen in Lohnsteuerklassen eingeteilt. Je nach Lohnsteuerklasse sind die Abzugsbeträge unterschiedlich hoch, da in den Lohnsteuerklassen unterschiedliche persönliche Merkmale berücksichtigt werden (z.B. Freibetrag für Alleinerziehende oder zweites Arbeitsverhältnis)    

2)  Die Summe der Einkünfte abzüglich der Entlastungsbeträge nach §§ 24 a, 24 b EStG und des Freibetrages für Land- und Forstwirte (§ 13 Abs. 3 EStG) ist der Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG).

3)  Hiervon sind zur Ermittlung des Einkommens die Sonderausgaben und die außergewöhnlichen Belastungen abzuziehen (§ 2 Abs. 4 EStG).

a) Sonderausgaben sind die in §§ 10 ff. EStG genannten Aufwendungen (Unterhaltsleistungen, Sozialversicherungsbeiträge, Spenden für begünstigte Zwecke etc.) , soweit sie nicht Betriebsausgaben oder Werbungskosten sind.

b) Außergewöhnliche Belastungen sind nach § 33 EStG Kosten, die vergleichbaren Steuerpflichtigen nicht entstehen und denen sich der Betroffene aufgrund besonderer Umstände nicht entziehen kann. Sie sind nur berücksichtigungsfähig, soweit sie die „zumutbare Belastung" (§ 33 Abs. 2 EStG; abhängig von der Höhe des Gesamtbetrages der Einkünfte und der Anzahl der vorhandenen Kinder) übersteigen.

4) Vom Einkommen ist sodann der Kinderfreibetrag abzuziehen (§ 2 Abs. 5 iVm § 32 Abs. 6 EStG); hierdurch ergibt sich das zu versteuernde Einkommen (= zvE), das die Bemessungsgrundlage für die tarifliche Einkommensteuer bildet.

Auf diese Bemessungsgrundlage ist dann entweder der Grundtarif oder der Splittingtarif für Verheiratete anzuwenden, wenn die Eheleute das wünschen. Beim Splittingtarif werden die ermittelten zvE der Ehegatten addiert. Die darauf nach der Splittingtabelle entfallende Einkommensteuer ist identisch mit derjenigen Einkommensteuer, die sich insgesamt ergäbe, wenn jeder Ehegatte die Hälfte des gesamten zvE (also des zvE beider Ehegatten zusammen) nach der Grundtabelle versteuern würde. Also: Jeder Ehegatte erzielt z.B. für sich allein ein zvE von € 50.000,--. Versteuern beide nach der Grundtabelle, zahlt jeder die Einkommensteuer, die auf ein zvE von € 50.000,-- nach der Grundtabelle entfällt. Versteuern sie nach der Splittingtabelle, zahlen sie insgesamt den gleichen Betrag (nämlich zweimal die auf € 50.000,-- nach der Grundtabelle entfallende Einkommensteuer). Die Anwendung des Splittingtarifs „lohnt“ sich aber dann, wenn die einzelnen zvE der Eheleute unterschiedlich hoch sind, da der Einkommensteuertarif progressiv verläuft. Das bedeutet, daß der Prozentsatz der Steuer vom Einkommen immer höher wird, je höher das zvE ist. Erzielt also ein Ehepartner ein zvE von € 10.000,-- und der andere ein zvE von € 90.000,--, so zahlen beide zusammen nach der Splittingtabelle wiederum zweimal den Betrag, der nach der Grundtabelle auf € 50.000,-- anfällt, weil beide Einzel-zvE addiert werden (s.o.). Versteuern sie hingegen jeweils nach der Grundtabelle, so zahlt einer von beiden die Einkommensteuer, die auf € 10.000,-- nach der Grundtabelle entfällt; der andere zahlt die Einkommensteuer, die auf € 90.000,-- nach der Grundtabelle entfällt. Diese Steuer allein ist aber wegen der Progression bereits höher als die Steuer, die auf zweimal € 50.000,-- jeweils nach der  Grundtabelle entfällt.

Was immer hinzukommt, ist der Solidaritätszuschlag von 5,5 % der ermittelten Einkommensteuer (§ 4 SolZG).