Wesen der Körperschaftsteuer

Die Körperschaftsteuer gilt als „die Einkommensteuer der juristischen Personen“, da Einkommensteuer nur von natürlichen Personen zu zahlen ist (s. Übersicht 3). Körperschaftsteuer zahlen demzufolge insbesondere GmbH und AG (§ 1 KStG). Die Körperschaftsteuer wird daher letztlich genauso berechnet wie die einkommensteuer, wobei diejenigen Besonderheiten der EStG, die an die Eigenschaft des Steuerpflichtigen als natürliche Person gebunden sind (Altersentlastungsbetrag, Freibetrag für Alleinerziehende, Splittingtarif für Verheiratete etc.) naturgemäß wegfallen. Auß0erdem gelten bei Kapitalgesellschaften alle Einkünfte ausnahmslos als Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 8 Abs. 2 KStG), somit also als Gewinneinkünfte.

Ermittlung der geschuldeten Körperschaftsteuer

Ausgangsgröße ist der Gewinn aus Gewerbebetrieb (§§ 7, 8 KStG). Hierbei ist nur zu berücksichtigen, daß „verdeckte Gewinnausschüttungen“ dem Gewinn (fiktiv) hinzuzurechnen sind (§ 8 Abs. 3 Satz 2 KStG). Verdeckte Gewinnausschüttungen sind „Vermögensminderungen oder verhinderte Vermögensmehrungen, die sich auf den Gewinn auswirken und durch das Gesellschaftsverhältnis veranlaßt sind. Durch das Gesellschaftsverhältnis veranlaßt sind sie dann, wenn ein sorgfältig handelnder Kaufmann die Leistung an einen fremden Dritten nicht erbracht hätte.
Beispiel: Die Romanowski-GmbH betreibt einen Handel mit Fernsehgeräten. Einziger Gesellschafter und Geschäftsführer der Romanowski-GmbH ist Richard Romanowski. Die GmbH zahlt diesem ein Geschäftsführergehalt, das doppelt so hoch ist wie ein durchschnittliches Geschäftsführergehalt, das in vergleichbaren Gesellschaften sonst gezahlt wird. Außerdem „schenkt“ die GmbH Richard Romanowski einen wertvollen Fernseher aus dem Lagerbestand. Da Richard Romanowski einziger Gesellschafter ist, entscheidet er faktisch allein über diese beiden Maßnahmen. Ein sorgfältig handelnder Kaufmann würde einem fremden Dritten sicher kein um 100 % überhöhtes Gehalt zahlen und auch keine Fernsehgeräte verschenken. Demzufolge handelt es sich bei beiden Maßnahmen um verdeckte Gewinnausschüttungen, die sich auch jeweils auf den ermittelten gewinn der GmbH ausgewirkt haben, da das gezahlte Geschäftsführergehalt eine Betriebsausgabe ist, die den Gewinn mindert und die Entnahme des Fernsehers ebenfalls das Betriebsvermögen reduziert hat. Beide Vorgänge sind daher (fiktiv) dem Gewinn der GmbH wieder hinzuzurechnen, damit nicht auf solchen „Umwegen“ die Steuerlast künstlich gesenkt werden kann. (Der Hintergrund, warum immer wieder Kapitalgesellschaften solche Versuche unternehmen, ist, daß zwar der Gesellschafter die Zuwendungen als Vermögenswert nach dem EStG versteuern müßte, die hierdurch für ihn eintretende steuerliche Belastung aber wegen der Progression im EStG deutlich niedriger sein kann, da der Körperschaftsteuersatz immer gleich ist, der Einkommensteuersatz aber bei niedrigem zvE geringer sein kann. Zu einem niedrigen zvE kann der Gesellschafter überdies durch Verrechnung des erhaltenen vermögenswertes mit negativen Einkünften aus anderen Einkunftsarten gelangen).

Hinzuzurechnen sind ferner die nach § 10 KStG nicht abziehbaren Aufwendungen. Hierzu gehören insbesondere „Steuern vom Einkommen“ (einschließlich der darauf entfallenden Nebenleistungen wie Säumniszuschläge, Verspätungszuschläge und Zinsen),. Damit wird erreicht, daß gezahlte Körperschaftsteuer (= Einkommensteuer der Kapitalgesellschaften; s.o.) nicht steuermindernd berücksichtigt werden kann, obwohl es sich um eine Betriebsausgabe handelt, da die Steuer nur wegen der Existenz eine Betriebes zu zahlen ist.

Auf den insgesamt (nach Hinzurechnung der verdeckten Gewinnausschüttungen und der nicht abziehbaren Aufwendungen) ermittelten Gewinn ist sodann der Körperschaftsteuersatz von 15 % (seit dem 01.01.2008; § 23 KStG) anzuwenden. Hinzuzurechnen ist wiederum der Solidaritätszuschlag von 5,5 % der Körperschaftsteuer (§ 4 SolZG).